Deutsch: Die Gruppe 47
Forum für literarische Diskussion und Kommunikation sowie gesellschaftliche Reflexion in zwanzig Jahren Nachkriegsdeutschland
Debatten-, Streit- und Diskussionskultur
existierte von 1947 bis 1967
Anfang: 1946 begründeten Alfred Andersch und Walter Kolbenhoff die literarische Zeitschrift DER RUF in München
Ziel: Aufklärung und Erziehung zur Demokratie der Menschen in Deutschland nach dem Hitlerregime
Verpflichtung mehrerer Autoren
Themen: das totalitäre Regime, Nachkriegsdeutschland, die Rolle von Politik und Gesellschaft, Menschen in diesem Umfeld
1947: die Information Control Division der US Militärregierung entzog dem RUF die Lizenz
Planung von DER SKOPION durch Hans Werner Richter, an Finanzierung gescheitert
2. Die Gründung
Planungsphase des SKORPION = Grundstein für die Gruppen- und Diskussionsrituale in der Gruppe 47
Eberhard Falcke: "Man traf sich, die Autoren lasen ihre Texte, und man diskutierte darüber. Die erste Tagung fiel auf den 10. September 1947. Die Anregung für die Wahl des Gruppennamens kam von der spanischen Gruppe 98, die sich nach dem verlorenen Krieg Spaniens gegen die USA im Jahre 1898 eine Erneuerung der Literatur und Gesellschaft in Spanien zum Ziel gesetzt hatte."
3. Die Inhalte
Neuanfang der Gesellschaft, der Politik und damit auch der Sprache, Förderung der Demokratisierung der Gesellschaft
Gegen Sprachzerstörung, welche die Nationalsozialisten durch Lüge, Propaganda und Pathos bewirkt hatten
Keine Wiederholung der Literatur der Weimarer Republik, der Exilliteratur
Ablehnung der Literaten der Inneren Emigration, aber einige Vertreter der Exilliteratur ( Erich Fried, Wolfgang Hildesheimer) wechselten zur Gruppe 47
Tagungen: Vorlesung von Manuskripten + Stellung der Kritik ohne Verteidigung
4. Entwicklungsstufen
Konstitutionsperiode (Jahr 1-3): literarischer Werkstattcharakter und kollegiale Arbeitskritik unter Schriftstellern
Aufstiegsperiode (1950 bis 1957): Gruppe literarisch meinungsführend, Kollegenkritik von der professionellen Literaturkritik verdrängt
Hochperiode (1958 bis 1963): Entwicklung zu einer literarisch-kulturellen Institution, Anschluß an die Weltliteratur
Spätperiode und Zerfall (1964 - 1967): Erstarrung, überflüssig, unangemessene Reaktion auf Entwicklungen
5. Weitere Mitglieder der Gruppe 47
Ilse Aichinger
Walter Kolbenhoff
Alfred Andersch
Karl Krolow
Ingeborg Bachmann
Siegfried Lenz
Jürgen Becker
Jakov Lind
Heinrich Böll
Hans Mayer
Johannes Bobrowski
Ivan Nagel
Nicolas Born
Fritz Joachim Raddatz
Paul Celan
Ruth Rehmann
Hans Magnus Enzensberger
Hans Werner Richter
Hubert Fichte
Toni Richter
Heinz Friedrich
Klaus Roehler
Günter Grass
Peter Rühmkorf
Walter Maria Guggenheimer
Hans Sahl
Peter Handke
Arno Schmidt
Ilse Schneider-Lengyel
Wolfgang Hildesheimer
Wolfdietrich Schnurre
Gustav René Hocke
Peter Weiss
Walter Höllerer
Dieter Wellershoff
Walter Jens
Wolfgang Weyrauch
Uwe Johnson
6. Das Ende
Gruppe 47 = fester Bestandteil der bundesdeutschen Literatur
für Mitglieder häufig Anfang der Berufsliteratenschaft
Gruppe 47 stets auf Zurückhaltung bedacht und möglichst neutral und bescheiden
kurz vor Studentenrevolution 1968: Distanz und Heraushalten nicht mehr gefragt, sondern Einmischung und politische Stellungnahme erwünscht
entsprach nicht Gruppenkodex, 1967 endgültigen Bruch auf der Pulvermühle