Politische Bildung/ Geschichte: Darfur-Krise
Darfur- Krise
Geschichte Darfurs bis 1916
Die Geschichte Sudans reicht zurück bis in die Zeit der Pharaonen zurück. Nach der Christianisierung im 6. Jahrhundert wurde Sudan zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert islamisiert. Darfur wurde ein islamisches Sultanat im Westen des Sudan. Der Islam war seit dem 18. Jahrhundert Staatsreligion.
1835 eroberte Darfur kurz das benachbarte Wadai, das im heutigen Tschad liegt. 1874 erkannte der Sultan von Darfur die Souveränität Ägyptens an. 1883 wurde Darfur Teil des Mahdi-Staates; nach dessen Zerfall im Jahre 1898 erkannte Darfur die Souveränität der englisch-ägyptischen Verwaltung des Sudan an.
Früh im Ersten Weltkrieg übertrug der Sultan von Darfur seine Treue dem osmanischen Reich und erklärte den Briten den Krieg. Eine britische Expedition besetzte Darfur kurze Zeit später und setzte 1916 dem Sultanat von Darfur ein Ende.
In Darfur konkurrieren sesshafte afrikanische Stämme, wie zum Beispiel Fur, Zaghawa und Massalit, mit arabischstämmigen Nomaden um knappe Ressourcen. Diese Spannungen konnten lange Zeit unter Kontrolle gehalten werden. Durch eine weitere Verknappung von Weideland und Wasser, hauptsächlich durch fortschreitende Versteppung und Trockenperioden bedingt, wurde der Konflikt in den letzten Jahren verschärft.
Verlauf des Konflikts
Im Februar 2003 eskalierte der Konflikt in der Region Darfur, nachdem afrikanische Milizen staatliche Einrichtungen angegriffen hatten. Sie unterteilen sich in die SLA (Sudanesische Befreiungsarmee) und die JEM (Bewegung für Gerechtigkeit und Freiheit). Der erste größere Sieg der Rebellen war die Einnahme der Garnisonsstadt al- Farschir im Juni 2003. Dabei wurden 75 Soldaten getötet, 4 Militärhubschrauber und 2 Flugzeuge zerstört. Als Reaktion auf die Verluste des Militärs bildete die Regierung Milizen aus. Diese werden als Dschandschawid bezeichnet. Die Milizen griffen nicht nur die Rebellen sondern auch die Zivilbevölkerung an. Durch die Vermittlung des tschadischen Präsidenten und der Afrikanischen Union kam es am 8. April 2004 zum Waffenstillstandsabkommen zwischen den Rebellen und der sudanesischen Regierung, das in der Hauptstadt des Tschad von beiden Seiten unterzeichnet wurde.
Der sudanesischen Regierung wird von Menschenrechtsorganisationen vorgeworfen die aufständische Bevölkerung systematisch zu massakrieren. Am 23. Dez. 2005 stellte der Tschad fest, dass er sich im Kriegszustand mit dem Sudan befindet. Grund dafür waren die wiederholten Überfälle auf das Grenzgebiet. Der sudanesische Staatsminister für Außenpolitik wies die Vorwürfe zur Unterstützung der Milizen am 6. Feb. 2006 zurück. Diese Meinung vertritt auch ein Großteil der Afrikanischen Union. Nach Angaben von Human Rights Watch begann am 24.Apr.2006 eine neue militärische Offensive, angeführt vom Sudan, die sich auf die Region Süd- Darfur konzentriert. Dieses Gebiet wurde größtenteils von den Rebellengruppen kontrolliert. Die SLA und die sudanesische Regierung unterzeichneten am 5. Mai 2006 ein Friedensabkommen. Die andere afrikanische Miliz JEM lehnte das Abkommen hingegen ab, da ihre Hauptforderungen nicht erfüllt wurden. Bisher fielen dem Konflikt mindestens 400.000 Menschen zum Opfer, weitere 2.5 Mio. wurden zu Flüchtlingen.
Maßnahmen der internationalen Staatengemeinschaft/ Hilfsorganisationen
Als Maßnahme auf das „Abschlachten“ der Bevölkerung in Darfur sieht sich die UN gezwungen, eine 20.000 Mann starke Truppe in den Sudan zu schicken. Davon sollen 3000 Soldaten sofort nach der Zustimmung der Regierung die 7000 Mann starke Truppe der Afrikanischen Union unterstützen. Bisher lehnte der Sudan allerdings die Stationierung von Kampfhubschraubern ab. Die UN fordert seit geraumer Zeit die Stationierung von 6 Kampfhubschraubern im Sudan. Außerdem sollen die Truppen der Afrikanischen Union finanziell unterstützt werden.
Der Sudan versucht nach Informationen von Hilfsorganisationen die Versorgung und Unterbringung der Flüchtlinge zu komplizieren, hauptsächlich für Hilfsorganisationen aus dem Ausland sowie nichtstaatlichen Hilfsorganisationen. Laut dem Auswärtigen Amt der Bundesregierung gibt die Bundesrepublik Deutschland jährlich 16,4 Mio. € für humanitäre Hilfe in Darfur aus. US- Präsident George W. Bush drohte unterdessen mit Strafmaßnahmen sollte der Sudan die UN Blauhelme nicht in die Krisenregion lassen. Zusätzlich mahnte Bush die Regierung des Sudan an, zukünftig den Einsatz von Militärflugzeugen zu unterlassen. Unter anderem engagiert sich das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in der Dafurregion. Allerdings ist die medizinische und humanitäre Versorgung sehr schwierig, da die Helfer sich täglich in eine höchst gefährliche Lage begeben. Dafür zuständig sind hauptsächlich die arabischen Reitermilizen. Um die Lage zu stabilisieren fordern zahlreiche Flüchtlingshilfswerke ein größeres internationales Engagement. Am Donnerstag, dem 15. Februar 2007 einigte sich das Europäische Parlament Straßburg auf eine neue UN-Friedenstruppe, die bis zu 22500 Soldaten und Polizisten umfassen soll. Die Truppe soll die Operationen der Afrikanischen Mission im Sudan (AMIS) übernehmen. Außerdem forderte das Europäische Parlament China auf, die Ausfuhr von Waffen in den Sudan einzustellen und Beschlüsse des UN-Sicherheitsrats über gezielte Sanktionen gegen die Regierung Sudans nicht länger zu verhindern. Auch viele Länder schicken dem Sudan Unterstützung: am 25.05.2007 erhielt die sudanesische Regierung eine Lieferung von humanitären Hilfsgütern von China und anderen asiatischen Staaten in unbekannter Höhe. Laut der unterstützenden Länder sei es das Ziel, dem Sudan bei der Entwicklung der Wirtschaft und bei der Stabilisierung der Gesellschaft zu helfen und damit „die Darfur-Frage möglichst bald zu lösen.“ Die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen (UNHCR) hat angefangen, Notfallhilfe ins östliche Tschad zu fliegen. Die Organisation versucht auch, die Flüchtlinge im Tschad zur Sicherheit in Lager weiter im Landesinneren zu bringen, weil es immer wieder Übergriffe der arabischen Reitermilizen auf Flüchtlingslager gibt. Die WFP ( Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen ) hat mittlerweile begonnen Hilfsgüter nach Darfur, hauptsächlich in den etwas sicheren Norden zu fliegen.
Die African Union Mission in Sudan (AMIS) ist eine durch die Afrikanische Union (AU) geführte und gestellte Friedensmission in Sudan, die am 28. Mai 2004 begann. Ihr Auftrag besteht in der Überwachung des Waffenstillstandes in der Krisenregion Darfur, außerdem soll der Schutz der Zivilbevölkerung und die Sicherung der Hilfsmissionen der UN gewährleistet werden. Angefangen mit 300 Soldaten und 80 Waffenstillstands-Beobachtern, zählt die internationale Truppe derzeitig 7.700 Mann.
Am Truppenkontigent beteiligen sich die Staaten Gambia, Kenia, Nigeria, Ruanda, Senegal und Südafrika. Dabei werden sie mit Transportleistungen, wie z.B. der Verschiebung von Soldaten bzw. dem Transport von Fracht in die Krisenregion, von Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und den USA unterstützt.
Perspektivische Betrachtungen für die betroffene Region
In Darfur im Westsudan kamen im vergangenen Jahre mindestens 70.000 Menschen um. Die meisten von ihnen wurden ermordet von den Janjaweed Milizen, die von der Regierung in Khartum unterstützt oder zumindest nicht am Morden gehindert wurden. Ungefähr eine Million Sudanesen sind auf der Flucht und obdachlos, zum Teil in Lagern im Tschad. Hunderttausende sind vom Hungertod bedroht. Die Vertriebenen haben nicht aussäen können, sie werden also auch nicht ernten können, die Hungersnot wird sich ins kommende Jahr fortsetzen. Größenordnung: in etwa so wie die Flutkatastrophe in Südostasien. Bei uns aber weiß kaum einer davon. Die dramatische Lage in der westsudanesischen Region Darfur wirft erneute die Frage des Umlaufs von Waffen in Afrika auf. In Darfur, wie auch in anderen afrikanischen Kriegen werden so genannte Kleinwaffen oder leichte Waffen zu wahren Massenzerstörungswaffen. In dieser armen Region im Westsudan morden mit Kalaschnikow-Gewehren bewaffnete berittene Milizen unter der Zivilbevölkerung und stecken deren Wohnungen in Brand. Die Brutalität dieser mit der Regierung verbündeten Milizen führte dazu, dass der amerikanische Kongress eine Resolution verabschiedete, in der bekräftigt wird, dass in der Region Darfur ein Völkermord stattfindet. Die Luftwaffe der Regierung in Khartum ebnet den Milizen den Weg mit dem unterschiedslosen Abwurf von Splitterbomben und Napalmgeschossen. Die internationale Staatengemeinschaft diskutiert über die Billigung eines internationalen Waffenembargos für die Janaweed-Milizen, von dem die sudanesische Regierung, deren Kommando die Milizen unterstehen und die diese mit Waffen versorgt, jedoch ausgeschlossen eigenartigerweise bleibt. Vielleicht weil einige Mitglieder des UN-Sicherheitsrates lukrative Waffenverträge mit dem Sudan unterzeichnet haben oder dies bald tun werden? Verkaufen diese Länder nicht dutzende von Kampfflugzeugen, hunderte von Panzern und Panzerfahrzeugen an die sudanesische Armee? Afrika bleibt weiterhin ein Teil, obschon auf den ersten Blick arm und nur am Rande, für die internationalen Waffengeschäfte. Auf dem Kontinent findet oft ein Recycling alter Waffen statt, bei dem Waffen aus den Arsenalen der westlichen Ländern und Osteuropas und die Waffen aus vor kurzem beendeten afrikanischen Kriegen, weiterverkauft werden. Trotzdem werden auch auf dem afrikanischen Markt neue Waffen verkauft. Opfer dieser Geschäfte sind Zivilisten und vor allem Kinder und Frauen. In Darfur ist nach Ansicht des UN-Nothilfekoordinators Egeland die Sicherheitslage so schlecht, wie er sie noch nie erlebt habe. Die Deutsche Welthungerhilfe zog am Freitag 18 ihrer Mitarbeiter aus dem sudanesischen Grenzgebiet zu Tschad ab. Das Schlüsselthema in Darfur ist Sicherheit, und das bedeutet an erster Stelle: Entwaffnung oder zumindest Neutralisierung der Janjaweed. Es gibt in Darfur natürlich noch andere Risiken, aber im Vergleich zu den arabischen Reitermilizen sind sie alle zu bewältigen. Vertrauen vor Ort in die Neutralisierung der Milizen, die angeblich vom Sudan unterstützt werden, braucht eine unabhängige Überwachung durch auswärtige Kräfte. Im Darfur-Friedensabkommen liegt diese bei der Friedenstruppe der Afrikanischen Union, die bereits in Darfur stationiert ist und offen zugibt, dass sie das nicht leisten kann. In der Praxis hängt das Abkommen also allein vom Willen der sudanesischen Regierung ab, die Janjaweed zu entwaffnen. Khartum hat dies schon viele Male versprochen, auch gegenüber den beiden US-Außenministern Colin Powell und Condoleezza Rice. Aber sie werden es nicht tun, denn die Janjaweed stellen für das Regime den Eckpfeiler seiner Sicherheit in Darfur dar.
Der Sudan: Basisdaten

Ein Vielvölkerstaat (ca. 500 - 600 Völker, Stämme und Unterstämme), mehr als 130 unterschiedliche Sprachen
ca. 38,1 Mio. Einwohner (Stand 2003); Bevölkerungswachstum: 2,8%
Altersstruktur: 45 % unter 15 Jahre, 2 % über 65 Jahre
Lebenserwartung: 58 Jahre
Religionen: Sunnitische Muslime 74,7 %, Naturreligionen 17,1 % und Christen 8,2 %
Einwohner pro Arzt: 9360
Analphabeten: Männer 30 %, Frauen 52 %
BSP/Kopf 340 US-Dollar
Währung: Sudanesisches Pfund = 100 Piastres
Gliederung: 9 Bundesstaaten, 66 Provinzen und 218 Bezirke
Staatsform: Islamisches Militärregime. Der Sudan wurde 1956 unabhängig.